Stock & Schwert


Das moderne Aikido führt seine Techniken und seine Philosophie auf die alten Techniken der Samurai zurück. Da ein Samurai ohne Schwert nicht denkbar war, hat das Schwert auch im Aikido ein tiefe Bedeutung. Viele Aikido-Techniken lassen sich direkt von den alten Waffentechniken ableiten.

Als Macht- und Kultsymbol ist das Schwert in Japan schon aus mystischer Vorzeit überliefert. Neben dem Spiegel und dem Juwel ist das Schwert “Kusanagi” eines der Reichsinsignien des japanischen “Tenno” (Kaiser) und wird heute noch im Schrein von Ise verehrt. Verlor ein Samurai sein Schwert, so verlor er auch seine Ehre. Daher trug er es stets bei sich, auch wenn kein Krieg herrschte.

Der Begriff “Daisho” bezeichnet die Kombination aus Langschwert “Katana” (ca. 65 cm) und Kurzschwert “Wakizashi” (ca. 35 cm). Grundsätzlich durfte nur der hohe Adel und die Samurai das “Daisho” tragen. Die Stellung des Schwertes im Gürtel “Obi” verriet die Stellung des Trägers. Hohe Personen trugen den Griff aufwärts im Gürtel gerichtet, so daß die Klinge senkrecht nach unten stand. Die Angehörigen des Mittelstandes hatten das Schwert waagerecht im “Obi” stecken.

Wer keine Schwerter tragen durfte, bspw. Bauern, suchte sich andere Waffen. Meistens Gegenständes des Alltages, die nicht sofort als Waffe erkennbar waren. Denn auch das Trainieren mit anderen Waffen war ihnen verboten. Eine dieser Waffen ist der Kurzstab “Jo”, der wohl meistens als Wanderstab getarnt war. In den Händen eines geübten Kämpfers ist diese Waffe einem Schwert aufgrund seiner Flexibilität durchaus ebenbürtig.

Schon in den alten Zeiten haben die Fechtmeister erkannt, daß das Training mit echten Waffen viel zu gefährlich für den Menschen und für das sehr teure Schwert war. So wurden die Stahlwaffen schon früh gegen Waffen aus Hartholz, meistens Eiche, ersetzt. In der langen Friedenszeit des 18. und 19. Jahrhunderts wurde das Training mit den Holzwaffen immer beliebter und diente mehr der körperlichen und geistigen Schulung als der Vorbereitung eines echten Kampfes. Aus “Bujutsu” (Kampf) wurde immer mehr “Budo” (Kampfkunst).

Nachdem sich Morihei Ueshiba O-Sensei 1942 aus seinem Dojo in Tokyo zurückgezogen hat und nach Iwama (Ibaragi Präfektur) zog, begann er verstärkt mit dem Unterrichten von Stock (Aiki-Jo) und Schwert (Aiki-Ken). Das Iwama-Dojo wurde oft von Lehrern des Kashima Shinto-Ryu besucht, die dort die Grundlagen ihrer traditonellen Schwertkunst lehrten. Auch das Shinkage-ryu, das Ueshiba O-Sensei bei Sogaku Takeda Sensei erlernt hatte, dürfte großen Einfluß auf seine späteren Stock- und Schwerttechniken gehabt haben. Als die US-Amerikaner nach dem Krieg den Schwertkampf verboten, konnte Ueshiba O-Sensei durch die Abgeschiedenheit seines Dojos auf dem Land als einer von ganz wenigen Meistern die japanische Schwerttradition ungehindert fortführen.

Ueshiba O-Sensei unterrichtete Aiki-Ken und Aiki-Jo in Iwama nur wärend des morgentlichen Trainings. Die meisten seiner Schüler, die tagsüber arbeiten mußten, kamen aber erst zum Abendtraining nach Iwama und lernten “nur” das waffenlose Aikido. Außerhalb von Iwama zeigte O-Sensei seine Waffenkünste nur bei Aikido-Demonstrationen. Er unterrichtete es nur sehr selten. Daher wird im Hombu-Dojo (Tokyo) und in vielen anderen Schulen das Waffentraining gar nicht oder nur am Rande gelehrt.

Es kamen also nur die wenigen im Dojo lebenden Schüler, die morgens schon vor Ort waren, in den Genuß dieser Techniken. Dazu gehörten sein Sohn Kisshomaru Ueshiba, Koichi Tohei, Tadashi Abe und Morihei Saito. Besonders Morihei Saito ist die Überlieferung von O-Senseis Waffentechniken zu verdanken. Er lebte am längsten bei Ueshiba O-Sensei direkt im Dojo und übernahm sogar die Dojo-Leitung nach O-Senseis Tod. Morihei Saito betonte immer wieder, wie wichtig für O-Sensei das Waffentraining gewesen sein soll.

Im Aikido wird heute, je nach Schule mit unterschiedlicher Intensität, mit den folgenden Waffen trainiert:

weapons

 

“Jo” (Kurzstab)
“Bokken” (Langschwert, auch “Ken” genannt)
“Tanto” (Messer)